Bordeaux
Die Weinwelt schaut auf das Bordelaise. Kein Anbaugebiet hat so große Bedeutung, wie die Region links und rechts des Flusses Gironde nahe der französischen Stadt Bordeaux. Dabei ist dieser Landstrich alles andere als klimatisch begünstigt. Vom nahen Atlantik drohen ständig Tiefdruckgebiete über das flache Land hinwegzufegen. Die Böden sind karg und mit hohem Kieselanteil. Die Gefahr, das die Trauben nicht ausreifen ist hoch.Historisch waren es die Engländer, die dieses eher unwirtliche Gebiet berühmt machten. Die Weinregion ist das den britischen Inseln nächst gelegene und gleichzeitig schiffbar. Und es gehörte ab dem 12. Jahrhundert für fast 300 Jahre zu England. Seit der frühen Neuzeit zog im Herbst eine mächtige englische Flotte die Gironde hinauf, um die Stadt London mit „Claret“ (fr. Clairet), dem hellroten, sauren Wein zu versorgen. Sie fuhren vorbei an den Sümpfen des Medoc. Erst seit dem 17. Jahrhundert wurde dieses Gebiete, das heute fast als Synonym für große Bordeaux gilt, von holländischen Spezialisten trocken gelegt und mit Wein bestockt.
Der Weg an die Weltspitze führte weiter über Technik. Im Bordeaux lernten die Winzer, konzentrierte Weine herzustellen und im kleinen Holzfass, dem 225l fassenden Barrique, zu veredeln. Aus dem dünnen Clairet wurden vielfach bestaunte dunkelrote, mächtige Weine. Auch begann man sehr früh, Lagen zu klassifizieren, also hervorragende Böden von mittelmäßigen zu unterscheiden. Das gipfelte in der berühmten Bordeaux-Klassifizierung von 1855, die die bedeutenden Güter des Gebiets Medoc und der Graves in 5 Klassen einteilt – ein Reglement das bis heute Bestand hat. Andere Bordeaux-Bereiche wie das St. Emillion entwickelten erst viel später eigene Klassifizierungen.
Während andere Regionen also weintechnisch noch auf Landweinebene vor sich hinstümperten, war Bordeaux technisch, vertrieblich und werblich weit vorn. Bordeaux prägte den Weingeschmack dieser Welt – und alle eiferten diesem Stil nach. Das führte dazu, das die Rebsorten des Bordelaise, allen voran Cabernet Sauvignon und Merlot aber auch Carmenere oder Malbec weltweit exportiert wurden und mittlerweile als international gelten. Eine technische Vormachtstellung hat das Bordeaux heute nicht mehr. Aber es lebt immer noch von seinem Nimbus. Der „atlantische“ Stil der Bordeauxweine - kühl, charakterstark, tanninbetont – entspricht nicht mehr dem geschmacklichen Weltgeist. Der liebt es lieber mollig-weich und trinkt Shiraz/Syrah.
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